|
|
|
|
 |
 |
|
Familienkunde Bultmann
|
|
|
|
 |
 |
|
Über die Nachfolge auf der ehemaligen Eydelstedter Bultmann-Stelle 1845 bis 1885
|
 |
 |
|
Erwerb der Stelle durch Berhard Heinrich Detering
|
 |
 |
|
Irgendwann Anfang Oktober 1845 müssen Johann Hinrich Bultmann und seine Familie Eydelstedt verlassen haben, um sich auf der Bark “Leontine” einzuschiffen, mit der sie am 13. Dezember 1845 New Orleans erreichten. Der Verkauf des Hofes muss spätestens um die Jahresmitte 1845 perfekt gemacht worden sein, denn am 4. August ließ der Käufer, der Zimmermeister und Müller Bernhard Heinrich Detering aus Dörpel, den Verkauf von Hofinventar ankündigen. Die Versteigerungen waren bis Anfang Dezember 1845 abgeschlossen. Im Auktionsverzeichnis, das erhalten ist, sind alle versteigerten Gegenstände, Gerätschaften und Tiere mit dem jeweiligen Erlös und den Namen der Käufer verzeichnet. Hier das Ergebnis der drei Auktionen in einer Zusammenfassung:
|
 |
|
|
|
Auktion I
|
Holz (339 Stämme)
|
177,60
|
Th Courant
|
|
Auktion II
|
Getreide (Hafer, Roggen, Gerste), Gras, Flachs, 1 Pferd
|
256,51
|
Th Gold
|
|
Auktion III
|
Haushaltsgegenstände, bäuerliche Gerätschaften, 5 Kühe, 3 Rinder, 1 Kalb, 18 Schafe, Hühner, Kartoffeln
|
214,12
|
Th Gold
|
|
 |
 |
|
Bernhard Heinrich Detering zog mit seiner Familie am 1. Mai 1846 von Dörpel auf seine neue Stelle nach Eydelstedt. Dort wurde er von nun an nach der Stelle Bultmann genannt. Das Wohnhaus musste erst wieder in einen bewohnbaren Zustand versetzt werden. Die Reparaturarbeiten zogen sich aber bis in den November hin. Bis dahin musste das für Wohnzwecke viel zu kleine Backhaus zur Unterkunft reichen. Berhard Heinrich Detering hat über diese Zeit in einem Anhang seines Wirtschaftsbuches folgendes festgehalten:
|
 |
 |
|
So haben wir bis 1846 den 1ten May in Dörpel gewohnt, dann im Jahre 1845 zog der alte Bultman mit Frau und ein Tochter nach Amerika. Da kaufte ich die Bultmansche Eggedienerstelle in Eidelstedt für eine Sume von 1700 rf [Th.] schreibe sieben zehn hundert Thaler Courant oder 1500 rf Gold mit dem ganzen Inventar, letzteres habe ich zu 3 verschiedenen mahlen verauktionieren lassen, so daß eine Suma von 622 rf Gold heraus kam im Februar 1846 verkaufte ich die Dörpeler Wohnung und Garten zu 500 rf Gold an Cristian Wührmann Häusling zu Abbendehren in amte Ehrenburg, welcher am 1 ten May die Dörpeler Stelle in besitz nahm und wir nach Eidelstedt zogen. Da das Wohnhaus so schlecht war das ohne Reperatur niemand drinnen wohnen konnte so mußten wir unser Quartier erst im Backhaus nehmen und [sind] erst am 23 ten Nov. d. J. in das Wohnhaus eingezogen. Das Jahr war die Ernte so schlecht wir ernteten bei Dörpel und auch hier aber wir kamen mit unseren Roggen ganz kärglich aus, und wehe dem der damals kaufen muste …
|
 |
 |
|
Nach den drei Versteigerungen und dem Verkauf der kleineren Dörpeler Stelle hatte Detering mehr als zwei Drittel des Kaufpreises der Bultmannschen Eggetdienerstelle wieder hereingeholt. Da er aber auch deren Vieh verkauft hatte, stellt sich natürlich die Frage, ob er überhaupt hauptberuflich Landwirtschaft betreiben wollte.
|
 |
 |
|
Die Windmühle in Eydelstedt
|
 |
 |
|
Hartmann stellt in der Chronik der Familie Bultmann dar, dass erst der Nacholger von Detering auf der ehemaligen Bultmannstelle, der Windmüller Wilhelm Kattau, die Holländer-Windmühle erbaut habe. Hier bezieht er sich vermutlich auf das Buch Niedersächsische Mühlengeschichte von Wilhelm Kleeberg (1964), in dem 1885 als Baujahr genannt wird. In der Detering-Überlieferung heißt es hingegen, B. H. Detering habe bereits 1868 eine Mühle gebaut. Ein vermutlich vom Heimatforscher F. Kruse handgeschriebenes und gezeichnetes Deckblatt zu einem Flurkartenausschnitt, von dem mir Ulrich Aumann aus Eydelstedt eine Kopie zugesandt hat, belegt, dass 1873 tatsächlich bereits eine Mühle vorhanden war. Das Baujahr ist nicht verzeichnet. Es ist denkbar, dass B. H. Detering, der ja auch Zimmermeister war, zunächst eine hölzerne Bockwindmühle errichtet hat. Da aber die Mühle als Galerie-Holländer bereits 1883 nachzuweisen ist (telefonische Mitteilung von Ulrich Aumann, März 2009), ist sie in dieser Form bereits unter Detering entstanden. Das bei Kleeberg genannte Baujahr 1885 kann also nicht stimmen.
|
 |
 |
|
Gibt es noch Gebäude aus der Bultmann-Zeit?
|
|
|
Aus dem eben erwähnten Deckblatt zu einem Flurkartenausschnitt geht auch hervor, dass im Jahr 1873 auf der ehemaligen Bultmann-Stelle nur noch zwei Gebäude aus der Zeit vor 1850 standen. Heute existiert nur noch das etwa 500 m vom Mühlenkomplex entfernt liegende ehemalige Häuslingshaus, das 1716 von Hinrich Bultmann - vielleicht als Altenteilerhaus für seine Eltern - errichtet worden ist. Die Inschrift auf dem Türbalken der Südseite, die heute nicht mehr sichtbar, aber noch erhalten sein soll, lautet:
|
 |
 |
|
Alles von Gott und ohne dem nichts - Johann Hinrich Bultmann 22. April 1716
|
 |
 |
|
Auszug aus dem Auktionsverzeichnis vom 3. Dezember 1845
|
 |
 |
|
Für die hier wiedergegebenen Dokumente bedanke ich mich bei Herrn Dr. Hermann Detering, Berlin.
|
|